Einzigartige Bräuche rund um das Osterfest im Amt Burg (Spreewald)


Geheimnisvolle Botschaften und prachtvolle Trachten

Wendischer Kirchgang in Burg (Spreewald).

Ostersingen, Wendischer Kirchgang, sorbische Ostereier und Ostersemmeln: Rund um die christlichen Feiertage gibt es unvergessliche Erlebnisse und einzigartige Entdeckungen für die ganze Familie – zum Zuschauen und vor allem auch zum Mitmachen. Der Grund für die Vielfalt ist im Brauchtum der Sorben/Wenden zu finden.

Amt Burg (Spreewald). Am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern wir Ostern - in diesem Jahr am 21. April. Für das Christentum ist es neben Pfingsten das älteste und höchste Fest. Rund um Ostern sind in der Lausitz und im Spreewald viele Frühlingsbräuche bekannt, die auf den einst heidnischen Glauben der Sorben/Wenden zurückzuführen sind und nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Sorbische Ostereier

Im Mittelpunkt steht das berühmte sorbische Osterei mit seinen vielfältigen Verzierungen. Das Ei gilt hier, wie bei vielen anderen Völkern, als Symbol des erwachenden Lebens im Frühling, des Wachstums und der Fruchtbarkeit. Die Sorben/Wenden pflegen vier Verzierungsarten: Die Wachsreservetechnik, die Wachsbossiertechnik, die Kratztechnik und die Ätztechnik. Die Ornamente bestehen zumeist aus einfachen Formen, die zugleich Botschaften übermitteln. Dreiecke um Kreise, so genannte Wolfszähne, symbolisieren Schutz vor dem Bösen. Die Strahlenbündel und Sonnensymbole stehen für die Quelle des Lichts, das alles Leben entstehen lässt.

Diese Botschaften zu lesen und selbst auf das Ei zu zaubern, kann man im Heimatmuseum in Dissen. Ab dem 30. März wird an jedem Samstag bis Ostern ab 14 Uhr zum „Ostereierverzieren für Jedermann“ eingeladen.

In der Heimatstube im Kurort Burg (Spreewald) finden Schauvorführungen „Malen Sorbischer Ostereier“ in Wachsreserve- und Bossiertechnik vom 16./17. März bis 6./7. April an jedem Wochenende jeweils 12 bis 16 Uhr sowie am Ostersonntag und Ostermontag von 13 bis 17 Uhr statt.

In der Osterwerkstatt im Haus der Begegnung in Burg (Spreewald) am 19. und 20. April kann man ebenfalls selbst versuchen, die geheimnisvollen Symbole aufs Ei zu zaubern.

Ostersingen

An den Passionssonntagen sowie am Karfreitag zogen die Frauen und Mädchen singend durch das Dorf, welches in andächtiger Stille versunken war. Dabei trugen sie alte sorbische Trauerlieder und Osterchoräle vor, die nur hier in der Niederlausitz zu finden sind. Wer einen Eindruck von diesem alten Brauch bekommen möchte, sollte sich am Karfreitag, dem 19. April, 16 Uhr, in der Dissener Kirche einfinden. Der Chor „Łužyca“ („Lausitz“) lässt diesen fast verlorenen Brauch lebendig werden. Die Sängerinnen tragen dabei die Halbtrauertracht.

Wendischer Kirchgang

Strenge Trachtennormen galten einst an allen hohen kirchlichen Feiertagen. Die Grundlage bildet dabei die besonders festliche, schwarze Tracht. Heute werden die erhabenen Trachten, die zum Teil seit Generationen in den Familien gehütet werden, nur noch für den Kirchgang am Ostersonntag in der evangelischen Kirche in Burg (Spreewald) hervorgeholt. Für den Betrachter ist dies ein jedes Jahr eine Augenweide. Die Kirchengemeinde und die Chorgemeinschaft „Concordia“ leiten das Auferstehungsfest am 21. April bereits um 9.30 Uhr mit dem Osterblasen und Ostersingen an der Kirche ein. Anschließend wird zum Familiengottesdienst eingeladen.

Waleien

Die Kinder erfreuen sich zu Ostern am Waleien, dem Ostereierschieben. Im Garten werden gekochte und gefärbte Ostereier eine eigens angelegte abschüssige Bahn hinuntergekullert. Eier anderer, die dabei getroffen werden, gelten als „geschlagen“ und der Besitzer bekommt das Ei. Auch dieser Brauch galt einst als Fruchtbarkeitszauber für den so wichtigen Wuchs des Grases.

In der Burger Heimatstube kann das Spiel ab dem 16. März ausprobiert werden.

Die Ostersemmel

Überliefert ist, dass die Kinder am 1. oder 2. Osterfeiertag zu ihren Taufpaten in die umliegenden Dörfer gingen, um sich eine Ostersemmel nebst drei Ostereiern, einem Pfefferkuchen und einem kleinen Geschenk oder einem Geldstück zu holen.

Die Ostersemmel in Burg ähnelt einem Spreewaldkahn, symbolisiert aber ein Palmenblatt und ist 40 bis 50 Zentimeter lang. Nur die Burger Bäckerei Mieth bäckt die Ostersemmel noch so wie vor Jahrzehnten üblich. Heute wird die Ostersemmel gern verschenkt an Kinder und Freunde oder einfach selbst gekostet. Das Gebäck schmeckt mit Wurst oder Marmelade oder traditionell mit Leinöl und Zucker.

Das Osterfeuer

Vielerorts wird am Ostersamstag ein Osterfeuer entzündet, auch in den Dörfern des Spreewaldes. Schon Tage vorher sammelt die Jugend Holz, um einen möglichst großen Haufen zu errichten – am besten auf einem Hügel. Denn soweit der Schein des Feuers reicht, werden die Felder fruchtbar sein.