Glockenturm in Striesow

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Striesow (cn). Die Feierstunde zur Einweihung des sanierten Glockenturms in Striesow am 3. Oktober 2007 hätte symbolischer nicht beginnen können: Punkt 15 Uhr fing die Glocke an zu läuten, und weil es ein Mittwoch war, heulte zur gleichen Zeit die Sirene auf. Fröhliches Gelächter war die Folge. Er jedenfalls höre den Klang der Glocke lieber als den der Sirene, der ausschließlich Gefahr verkünde, sagte Pfarrer Hans-Christoph Schütt. Der Dissener Geistliche hielt die Andacht, in der er an die Aufgaben von Glocken erinnerte: Sie lüden ein zur Erhebung, Besinnung und zum Gottesdienst, verkündeten Geburten, Hochzeiten und Todesfälle und den Anbruch eines neuen Jahres. „Oft fallen Glocken erst auf, wenn sie einmal schweigen“, so Schütt.

In den meisten Gemeinden seien die Glocken nicht zu sehen, da sie hoch oben in den Kirchtürmen hingen. „In Striesow ist das anders“, wies der Pfarrer auf den nicht so hohen Glockenstuhl hin. Er ermutigte die Einwohner, die Glocke recht oft zu läuten, nicht nur zu Beerdigungen und zum Jahreswechsel, wie es in den letzten Jahren üblich gewesen sei. Auch auf ein dunkles Kapitel ging Hans-Christoph Schütt ein: „Es hat Zeiten gegeben, da wurden Glocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Allein im Zweiten Weltkrieg endeten in Deutschland 47.000 Glocken auf Glockenfriedhöfen.“ Er hoffe, dass Glocken nie wieder als Kanonen Dienst tun müssen.

Gegossen 1938 in Apolda
Vor der Ansprache des Pfarrers hatte Bürgermeister Fred Kaiser die Geschichte der Striesower Glocke(n) erzählt: Im August 1895 erwarb die Gemeinde für 505 Reichsmark von Drachhausen den Glockenstuhl nebst der 1853 in Kleinwelke gegossenen Glocke. Den Winter überdauerte sie in der Striesower Schulscheune, bevor sie am Palmsonntag 1896 aufgestellt und von Pastor Riese aus Dissen geweiht wurde. 1938 bekam die Glocke einen Riss. Die Gemeindevertretung beschloss daraufhin einen Neukauf, der – gesagt, getan – noch im gleichen Jahr realisiert wurde. Die Feuerwehr holte die diesmal in Apolda gegossene Glocke mit einem Pferdefuhrwerk vom Cottbuser Bahnhof ab. Ihre Inschrift lautet: „Gemeinde Striesow 1938. Die Lebenden rufe ich zur Andacht herzu, den Toten läute ich Frieden und Ruh. Menschen kommen und gehn, Gott bleibt bestehn.“

2007 nun erfolgten für 17.000 Euro umfangreiche Rekonstruktionsarbeiten am Glockenturm und die erstmalige Elektrifizierung. Nach Grün und Braun hat er jetzt einen anthrazitfarbenen Anstrich erhalten. „Doch ganz ohne den Menschen wird es trotz Technik nicht gehen“, ist Ortsbürgermeister Horst Reum überzeugt. Er übergab den neuen Turmschlüssel an Helmut Hoffmann, der schon seit über 20 Jahren seinen Dienst als Glöckner in Striesow versieht.

Der Traditionsverein Striesow hat einen Naturgedenkstein vor dem Turm errichtet, auf dem die wichtigsten Daten zur Striesower Glocke stehen.