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Mato Kosyk - Sohn der Gemeinde
18. Juni 1853
Geburt in Werben als ältestes von vier Kindern. Die Eltern George Kossick und Marie Kossick führen eine Kossätenwirtschaft von ca. 6 Hektar. Sie sind Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine und halten sich streng an die Normen einer christlichen Lebensweise.
1859
Einschulung. Mato Kosyk spricht nur sehr wenig deutsch, lernt es aber schnell. Der Junge ist außerordentlich begabt.
Herbst 1867
Aufnahme in das 2. Semester der Quinta (5. Klasse) des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Cottbus. Selbstverständlich nimmt er am fakultativen Wendischunterricht teil. Ziel ist es, nach dem Abitur ein Theologiestudium aufzunehmen.
1873
Kosyk geht vorzeitig von der Schule ab. Ein Grund ist, dass er sich über die patriotischen Veranstaltungen am Gymnasium, die nach dem gewonnenen Krieg von 1870/71 verstärkt werden, ärgert. Hinzu kommt eine schwere Lungenkrankheit. Außerdem merkt er, dass seinem Vater die steigenden Schulgeldzahlungen immer schwerer fallen. Später wird er das übereilte Verlassen der Schule bedauern.
1873 bis 1877
steht Kosyk im Dienst der Leipzig-Dresdener Eisenbahn
1877 bis 1883
arbeitet Kosyk als unabhängiger und freier Schriftsteller in Werben und gibt seinen Beruf mit „Literat“ an. Die Einkünfte aus seiner Arbeit als Dichter, wendischer Zeitungsredakteur (1881 bei den „Bramborske Nowiny“) und Übersetzer reichen nicht zum Leben und nicht zum Sterben. In dieser Werbener Phase schreibt er seine bedeutendsten Werke. Er glaubt an eine nationale Wiedergeburt des Wendentums, an die Erhaltung der wendischen Sprache und Kultur.
Im Februar 1880 beendet er seine epische Dichtung „Wendische Hochzeit im Spreewald“, geschrieben in 2000 Hexametern (sechsfüßigen Versen). Darin beschreibt er im wendischen Werbener Dialekt anschaulich die Vorbereitungen und Durchführung der Hochzeit nach damaligem Brauch. So setzt er diesem ein literarisches Denkmal, wohl wissend, dass Trachten, Sitten und Bräuche teilweise der Mode unterliegen oder ganz verschwinden. Da sich kein Verleger für das Büchlein findet, muss er den Druck selbst finanzieren. Seine zweite große epische Dichtung ist „Der wendischen Ahnung Leiden und Lobpreisung“, ein Thema aus der Frühzeit der deutsch-slawischen Geschichte.
Von 1880 bis 1882 arbeitet Mato Kosyk an einem neuen bzw. revidierten größeren wendischen Kirchengesangsbuch mit. Er verbessert einen Großteil der Lieder in Reim und Wortwahl – und erntet harsche Kritik aus der Bevölkerung, die die neuen Texte nicht annimmt.
Umfassend und breit ist die Sammlung seiner Lyrik und Epik der kleinen Form dieser Werbener Jahre. An die 200 Gedichte oder dichterischen Übersetzungen sollen es gewesen sein. Sie zeigen einen Dichter, der in seiner Heimat, seiner Sprache und seinem Glauben verhaftet ist und der sich auf dieser Grundlage in seinen Gedichten mit sich und der Welt auseinander setzt. In vielem betritt er dabei dichterisches Neuland. Um so bewundernswerter ist, welcher Grad an dichterischer Reife aus vielen seiner Texte spricht.
1883 bis 1885
Aufenthalt in den USA. Er besucht Predigerseminare in Springfield (Illinois) und Chicago. Nach erfolgreichem Abschluss des Predigerexamens kehrt er nach Deutschland zurück – wo die evangelische Kirche sein Examen nicht anerkennt, zumal er kein Abitur hat. So bewirbt er sich vergeblich um eine Pfarrstelle; auch Hoffnungen auf einen missionarischen Dienst erfüllen sich nicht.
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1887
Er verlässt er Deutschland für immer und geht in die USA.
21. November 1890
Kosyk heiratet die Immigrantin Anna Wehr, Gutsbesitzertochter aus der Nähe von Posen. Sie stirbt 1928.
7. September 1891
Sohn Georg Louis wird geboren, der im Jahr 1915 beim Reiten tödlich verunglückt.
26. September 1894
„Matthew Kossick“ wird Staatsbürger der USA. Bis 1907 ist er in verschiedenen Gemeinden des Mittelwestens als Pfarrer tätig. |
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1916
tritt Kosyk wegen eines Gehörleidens in den Ruhestand. Er siedelt nach Albion (Oklahoma) und kauft sich eine Farm. In diesem Gebiet hat er viele Kontakte zu Indianern. Durch Landspekulationen kommt er zu einem beachtlichen Vermögen, wovon er einen großen Teil den Armen spendet.
Mato Kosyk unterhält regen Briefkontakt in die deutsche Heimat, so zu den Pfarrern Bernhard Kruschwitz (Werben) und Gotthold Schwela (Dissen).
22. November 1940
Mato Kosyk stirbt.
22. April 1945
Mato Kosyks Geburtshaus in Werben – ein geräumiges, mit Stroh gedecktes Fachwerkhaus – brennt infolge Kriegseinwirkung ab.
15. Juni 2003
In Werben wird ein dreiseitiger Gedenkstein mit wendischer, deutscher und englicher Inschrift enthüllt.Biografische Daten nach Siegfried Ramoth, Klaus-Peter Jannasch und Prof. Roland Marti |
Der alte und der neue Kosyk-Gedenkstein
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