Diakonischer Bauernhof

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Briesen (cn). Im Januar 2006 eröffnete die Diakonische Altenhilfe Niederlausitz gGmbH ihr Projekt „Betreutes Wohnen mit ländlicher Orientierung für Menschen mit Demenz“ in Briesen. Die Wohnanlage greift die traditionelle Form eines Drei-Seiten-Hofes auf. Sie bietet zwölf Zimmer und wird noch mit Garten, Tierhaltung und Werkstatt ergänzt.

Zielgruppe sind dementiell erkrankte Menschen im Anfangsstadium sowie Senioren mit mäßig schweren kognitiven Einbußen. Gesucht werden Bewohner mit dörflich geprägten Biografien, die landwirtschaftlich orientierten Tagesrhythmen nachgehen. Am Öffentlichkeitstag verzeichnete die Diakonie fünf Neuanmeldungen.

Die Investitionssumme für die Anlage beläuft sich auf 750.000 Euro, zwei Drittel steuerte das Bundesfamilienministerium bei.

Mit den Hühnern aufstehen
Die Präsentation des in lebhaftem Orange gehaltenen Drei-Seiten-Hofes im Januar war ein voller Erfolg. „Wir konnten fünf konkrete Anmeldungen verbuchen“, zieht Mara Meusinger, Geschäftsführerin der Diakonischen Altenhilfe Niederlausitz gGmbH, Bilanz.

Auf das Interesse der Besucher stießen nicht nur das Musterzimmer, die große Wohnküche und die Gemeinschaftsräume, sondern vor allem auch die Pläne für das Drumherum. Sobald es die Witterung zulässt, sollen sie realisiert werden. „Es wird einen Hühnerstall, einen Kleintierstall und einen Geräteschuppen geben“, erläutert Diakonin Claudia Brunner. „Angelegt wird auch ein kleiner Garten mit Hochbeeten und vielen heimischen Obstbäumen. Wir wollen alles selbst anbauen und ernten.“ Auf diese Weise, so die Sozialpädagogin, können Menschen, die früher einen Garten oder Hof hatten, ihre Gewohnheiten fortleben. Und die Einrichtung kann sich wenigstens teilweise selbst versorgen.

Hartwig Muschick, erster Bewohner der Anlage, hat sich schon mal bereit erklärt, die Hühner zu füttern. Er stammt aus Karras bei Friedland, wo er einen Bauernhof bewirtschaftete. Rinder, Schweine, Pferde gehörten dort zu seinem Alltag. „Ich musste immer früh raus, die Kühe melken“, erinnert er sich. Seine Schwester hat für ihn die Wohnanlage in Briesen entdeckt. Nützlich hat sich der ehemalige Feuerwehrmann vom ersten Tag an gemacht, zum Beispiel bei der Schneeberäumung.

Genau das entspricht dem Ansinnen der Einrichtung. Claudia Brunner: „Sie ist für Demenzkranke, die weitgehend aktiv sind, sodass ein betreutes Wohnen möglich ist. Es soll kein Pflegeheim sein. Wir wollen den Leuten nicht das Gefühl geben, dass sie den ganzen Tag herumsitzen müssen.“

Neues Konzept
Ganz klar ist für Mara Meusinger, woher die künftigen Bewohner stammen sollen: „Wenn wir Werbung in Berlin machen würden, wäre das Haus innerhalb eines Vormittags belegt. Ich wünsche mir aber, dass hier Menschen aus der Region einziehen, die das dörfliche Leben und die Landwirtschaft kennen und ein Problem damit haben, in der Stadt und Hochhäusern zu wohnen.“

Die Geschäftsführerin hat die Idee für diese Art des betreuten Wohnens selbst entwickelt und bei den Spitzenverbänden der Wohlfahrt, die alternative Formen zur herkömmlichen Pflege gesucht hatten, eingereicht. „46 Anträge gingen ein, nur sechs, darunter unser, wurden bewilligt“, freut sie sich. Neben den Fachkreisen begeisterte sich auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für das Projekt und stellte 500.000 Euro Fördermittel bereit.

Gut angelegtes Geld, wie sich die zahlreichen Besucher vergewissern konnten. Hartwig Muschick gewährte ihnen gern Einblick in sein Zimmer, das er mit eigenen Möbeln eingerichtet und vielen Pferdebildern dekoriert hat. Es liegt am Ende des linken Flügels. „Da hinten kann wenigstens keiner stören“, sagt er. Obwohl ihm an diesem verregneten Sonnabend der Trubel nicht unangenehm war ...

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Dichter Andrang herrschte am Tag der offenen Tür, fünf Neuanmeldungen nahm die Diakonie entgegen
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Hartwig Muschick empfing in seinem Lieblingssessel die Neugierigen (Fotos: C. Neumann)